Auseinandersetzen

Allgemein, Inspiration, Life Hacks

joshua-ness--bEZ_OfWu3Y-unsplash

Photo by Joshua Ness

… und plötzlich muss man sich mit seinem Gegenüber auseinandersetzen.

Das Ende des Jahres 2020 wird sehr herausfordernd für Hebammen und Familientherapeuten. Ich gehe davon aus, dass die um sich greifenden Ausgangssperren  zu einem Baby- aber auch Scheidungsboom führen werden. Paare in Quarantäne machen gerade eine spannende Zeit durch, viele Beziehungen werden auf eine harte Probe gestellt.
Teenager können das Haus nicht mehr verlassen und müssen sich mit ihren Eltern herumschlagen, die in letzter Zeit sowieso schon komisch und altmodisch geworden waren. Das gewohnte “… chill dein Leben” führt zu Reizung, der Entlastungs- und Zufluchtsort bei den Großeltern bleibt Sperrgebiet.

“Ich setze mich gerne mit meinem Mann auseinander. Aber dürfen es auch mehr als 1,5 Meter sein?” 

Es ist schon lange bekannt, dass viele Beziehungen den gemeinsamen Urlaub oder die Weihnachtszeit nicht überstehen, weil wir plötzlich bemerken, dass wir mit dem Gegenüber nichts (mehr) anfangen können. Liebevolle Marotten beginnen auf einmal extrem zu nerven, und gemeinsame Interessen gibt’s sowieso schon lange keine mehr.

Wenn das Gefühl der Fremdbestimmung aufkommt, wir also zu wenig bis keine Freiheit haben und unsere gewohnten Routinen gestört sind, werden Kommunikationsregeln außer Kraft gesetzt. Die Zündschnur wird kürzer, und Paare, die schon länger unterschwelligen Differenzen erfolgreich aus dem Weg gegangen sind, sitzen auf einem Pulverfass.
In diesem Zusammenhang finde ich es sehr beunruhigend, wie oft in den Medien auch über häusliche Gewalt gesprochen wird.

Umso wichtiger ist es in diesen Tagen, die gegenseitigen Erwartungen und Bedürfnisse abzuklopfen. Selbst wenn man glaubt, sich gut zu kennen. Wie viel Raum und Zeit braucht jeder für sich? Wie regelt man die Betreuungszeiten der Kinder? Wann wird wirklich ungestört gearbeitet und wer übernimmt das Regiment in der Küche?

Erwartungen

Jetzt macht es Sinn, auf ein Ritual zurückzugreifen, das nicht nur in Krisenmomenten genutzt werden sollte. Nehmt ein Blatt Papier und schreibt auf die eine Seite, was ihr von eurem Partner oder eurer Partnerin erwartet. Das habt ihr vielleicht schon öfter gemacht oder vor allem im Streit lautstark kundgetan.
Das Spannende ist jedoch, auf die Rückseite des Blattes zu schreiben, was ihr glaubt, dass euer Partner oder eure Partnerin von euch erwartet. Dann tauscht eure Blätter und legt diese Erwartungen übereinander. Ich bin mir sicher, dass ihr mit euren Annahmen und Bemühungen teilweise weit am Ziel vorbeiarbeitet.

Um dabei nicht in Konflikt zu geraten, empfiehlt es sich, auf die Regeln der “gewaltfreien Kommunikation” zurückzugreifen. Für unser Kommunikationstraining gefällt mir persönlich der Ausdruck der “wertschätzenden Kommunikation” besser, allerdings hat Marshall B. Rosenberg, der Erfinder dieses Prinzips, viel in Krisengebieten gearbeitet, wo “gewaltfrei” wahrscheinlich wirklich der passende Zugang ist.

Das Grundprinzip der wertschätzenden Kommunikation sind die “Ich-Botschaften”.
Wir neigen dazu in Diskussionen Anschuldigungen auszusprechen:
“Du bist immer…”, “Du sagst ganz oft…”, “Ich weiß, du denkst jetzt wieder…”

Kein Wunder, dass diese Ansagen gerne als persönlicher Angriff oder als verletzend empfunden werden.
Niemand kann uns jedoch unser Empfinden und unser Gefühl absprechen:
“Ich fühle mich unsicher, wenn du sagst, dass…”, “Es stört mich, dass…”

Das sind klare Erklärungen unseres Gefühlszustandes, an denen es auch nichts zu rütteln gibt. Und ganz wichtig: Diskussionen dürfen auch ohne Lösung oder Kompromiss enden. Es muss keine Seite gewinnen oder recht haben. Akzeptiert das Anders-sein eures Gegenübers!

Bevor dieser Beitrag jedoch zu schwermütig wird, noch etwas Positives.
Auch die Sehnsucht nach Nähe scheint in solchen Ausnahmesituationen wieder aufzuleben. So waren im Drogeriemarkt nicht nur die Regale mit Toilettenpapier so leer wie der Trophäenschrank bei Bayer Leverkusen, sondern auch die Ablage mit Kondomen ungewöhnlich leergeräumt. Die Bunten waren sogar ausverkauft! 😉

 Tipps:

Gönnt euch ein gutes Glas Wein, nehmt Stift und Papier und “spielt” Erwartungen abklären.

Versucht euch in wertschätzender Kommunikation und wendet Ich-Botschaften an!
Das gelingt nicht immer und braucht ein bisschen Training. Vielleicht nützt ihr die Zeit, zu einem zukünftig besseren Miteinander.
(Buchtipp: “Gewaltfreie Kommunikation”, Marshall B. Rosenberg, ISBN-13: 978-3955715724)

SURVIVAL OF THE HAPPIEST!

Allgemein, Inspiration
miguel-bruna-503098-unsplashPhoto by Miguel Bruna on Unsplash

Auch wenn der Jahresanfang für viele nur den Wechsel einer Zahlenkombination im Datum darstellt, birgt die ruhige Zeit für mich die Chance zur Reflektion und es entsteht die Motivation zu etwas Neuem. Bei mir ist dies der Start eines lang gehegten Traumes, meines eigenen Blogs, dem “Superhero Retreat”!

Zum hoffentlich perfekten Start in ein wunderbares 2019 möchte ich dir ein paar Gedanken zu deinen Gewohnheiten mitgeben, denn der Großteil der positiven Vorsätze für’s neue Jahr schafft es nicht einmal in den Februar.

“Die meisten Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr und unterschätzen, was sie in zehn Jahren erreichen können.” – Bill Gates –

Seit über 2 Millionen Jahren wird jeder Mensch mit einer vorinstallierten Überlebenssoftware geboren, die unser Gehirn ständig dazu anhält, nach Dingen zu suchen, die gerade falsch laufen. Das Prinzip macht Sinn: Wenn der Säbelzahntiger ums Lager schleicht, könnte es tödlich sein, sich mit den Schönheiten des Lebens zu beschäftigen. Unser Gehirn strebt nicht nach Zufriedenheit und Lebensfreude, sondern einzig und allein danach, dem Tod von der Schaufel zu springen.
Jedes mal, wenn du dir vornimmst nach Glück zu streben, wird dir dein Stammhirn erwidern, es heißt “Survival of the Fittest” und nicht “Survival of the Happiest”.
Unsere Träume verwirklichen sich nicht von selbst, ebenso wie wir nicht im Lotto gewinnen ohne einen Lottoschein zu kaufen. Wenn man lange Jahre in eine Richtung gedacht hat, bedarf es sehr viel Arbeit, diese Gehirnautobahnen zu verlassen und neue zu bauen, sehr viel Arbeit!

Die Macht der Wiederholung

Lernen basiert auf Training und Wiederholung. Stellen wir mal den (biologisch natürlich vollkommen falschen) Vergleich an, Nervenverbindungen verhalten sich wie Muskeln. Training lässt den Bizeps wachsen, Routinen die Gedankenautobahnen.
Wenn wir den negativen, gefährlichen, einst überlebensnotwendigen Gedanken nicht aktiv entgegenwirken, werden sie ihre Macht über unsere Lebenseinstellung nicht verlieren. Wir sollten also schnellst möglich beginnen, unsere Energie und Aufmerksamkeit den positiven Erlebnissen zu schenken und so unseren Wünschen auf die Sprünge zu helfen.

Route 66 , oder warum die Umsetzung so schwer fällt!

Unser Gehirn ist ein Gewohnheitstier, das gerne auch als Schweinehund verunglimpft wird. Wie schon erwähnt, ist jedes unserer Verhaltensmuster lange trainiert, auch wenn wir uns an die Trainingseinheiten meist nicht mehr erinnern, weil sie schon lange zurückliegen.
Seien wir doch mal ehrlich. Wir fassen einen Entschluss, überwinden vielleicht sogar den Schweinehund, aber jetzt soll’s schnell gehen. Nur schnell geht auf Verhaltensebene gar nichts! Wir lernen über Wiederholungen und nach neuesten Studien braucht es 66 davon, bis z.B. die morgentlichen 30 Liegestützen zur Routine geworden sind.
Das Zauberwort, zusammengesetzt aus Gehirnautobahn und Wiederholungszahl, heißt also Route 66!

Tipps:     

Tagebuch und Gewohnheitstracker

“Motivation lässt dich loslegen. Die Gewohnheit lässt dich weitermachen” – J. Rohn –

Schreibe als erste Tat des Tages 3 Dinge nieder, auf die du dich freust und bringe als letzte Aktivität des Tages 3 Dinge zu Papier, für die du dankbar bist. Mache es zur Routine und lass’ dich von der Kraft der positiven Gedanken überraschen.

‘Gewohnheitstracker’ meint eine Liste, auf der du Geschafftes sichtbar machst.
✔ 10.000 Schritte gemacht, ✔ keinen Alkohol getrunken, ✔ …
Dein Gehirn kann dadurch deine Erfolge begreifen und dankt dir deine Hartnäckigkeit mit Dopamin. Außerdem wirfst du deine sichtbar durchgehaltene Routine nicht so leicht über Board. Probier’s aus!